Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt werden, fällt es oftmals schwer unmittelbar nach der Tat eine Entscheidung für oder gegen eine Strafanzeige zu treffen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die Angst vor dem Täter spielt eine Rolle, die Angst davor, in einem Prozess vor Gericht alles noch einmal durchleben zu müssen oder die Sorge davor, dass einem niemand glaubt. Doch je mehr Zeit zwischen Tat und Anzeige verstreicht, desto schwieriger wird es, den Täter zu belangen, wenn vor Gericht lediglich  Aussage gegen Aussage steht und es keine gesicherten Tatspuren gibt.

Damit es für Frauen auch in Duisburg die Möglichkeit gibt, Spuren anonym sichern zu lassen hat es sich die Frauenberatungsstelle Duisburg in Kooperation mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Duisburg in diesem Jahr zur Aufgabe gemacht, mit Kliniken ins Gespräch zu kommen, um verlässliche Partner für das Angebot zu finden. Das Projekt mit der Frauenberatungsstelle als koordinierenden Stelle fördert das Ministerium für Heimat, Kommunales und Bau des Landes NRW.

Die Anonyme Spurensicherung (ASS) ist ein Verfahren, das den Frauen Zeit gibt, sich in Ruhe zu überlegen, ob und wann sie eine Strafanzeige erstatten möchten.

„Bei der ASS werden anonym und kostenlos Tatspuren gesichert und Verletzungen dokumentiert, so dass die Polizei und Gerichte diese, sollte die Frau sich zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Strafanzeige gegen den Täter entscheiden, in einem etwaigen Verfahren nutzen können,“ so Diana Determann von der Frauenberatungsstelle Duisburg.  Die im Rahmen der ärztlichen Untersuchung sichergestellten Tatspuren, werden anonym, mit einer Chiffre-Nummer versehen, für zehn Jahre im Institut für Rechtsmedizin in Düsseldorf gelagert. Nach dieser Zeit werden sie, wenn keine Strafanzeige erstattet wurde, vernichtet.

In Duisburg können sich betroffene Frauen für eine ASS vertraulich an das Ev. Bethesda Krankenhaus sowie an die Helios St. Johannes Klinik wenden.

„Es ist wichtig, dass die betroffenen Frauen zeitnah nach der Tat und möglichst ohne vorher zu duschen oder die Kleidung zu wechseln eine der genannten Kliniken aufsuchen. Die Spuren und Verletzungen (wie z.B. Sperma, Hautpartikel, Speichel, Hämatome) können innerhalb von 72 Stunden nach der Tat dokumentiert werden. Darüber hinaus ist die schnelle medizinische Versorgung der Frauen wichtig, selbst wenn zunächst keine Verletzungen erkennbar sind“, erläutert Diana Determann von der Frauenberatungstelle Duisburg. Bei der ärztlichen Versorgung  können zudem mögliche Folgen des Übergriffs wie z.B. eine Schwangerschaft oder sexuell übertragbare Krankheiten besprochen werden.

Melanie Lüdtke, Mitarbeiterin der FBST Duisburg ist es wichtig zu betonen dass die Anonyme Spurensicherung eine direkte Anzeigenerstattung nicht verhindern oder an deren Stelle treten soll. „Sie ist ein Signal an die Opfer sexualisierter Gewalt, dass Sie Anspruch auf Unterstützung und Beratung haben, ohne unmittelbar zu weiteren Schritten genötigt zu werden. Die Frauen sollen vorab die Möglichkeit haben, sich umfassend über den Ablauf eines Strafverfahrens zu informieren und sich die passende Unterstützung holen können“, so Melanie Lüdtke.

Das Krankenhaus soll die Frauen zudem über weitergehende Beratungsstellen informieren an die Frauen sich nach einer Sexualstraftat wenden können. Die Frauenberatungsstelle Duisburg bietet Fachberatung zu sexualisierter Gewalt an. Die Beratungsgespräche sind kostenlos und finden in einem vertraulichen Rahmen statt.

Weitere Informationen zur Anonymen Spurensicherung in Duisburg gibt es auch im Flyer „Dein Körper, ein Tatort. Lass´Spuren sichern!“. Der Flyer kann unter folgendem Link heruntergeladen und/oder über die Frauenberatungsstelle Duisburg bestellt werden. Kontaktieren Sie uns hierzu gerne unter 0203-3461640!

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